Architektur und Geschichte
Der Bundesgerichtshof ist in mehreren Gebäuden auf einem parkähnlichen, knapp vier Hektar großen Gelände im Karlsruher Stadtzentrum untergebracht.
Hauptgebäude ist das Erbgroßherzogliche Palais, zu dem ein über einen Verbindungsgang angeschlossenes ehemaliges Küchengebäude gehört. Sie wurden dem Bundesgerichtshof im Jahr 1950 zur Nutzung überlassen. Hier befinden sich heute die Diensträume des Präsidenten, die Verwaltung sowie Dienstzimmer und Sitzungssäle für fünf Zivilsenate. Weitere Teile der Verwaltung und einige wissenschaftliche Mitarbeiter sind im "Weinbrennergebäude" untergebracht. Ferner hat ein Teil der wissenschaftlichen Mitarbeiter seine Arbeitszimmer außerhalb des Geländes in der Villa Reiß.
Aufgrund des Anstiegs der Zahl der Bediensteten durch die Einrichtung weiterer Senate erbaute der Architekt Erich Schelling von 1958 bis 1960 längs der Herrenstraße auf hohen Betonstützen das sogenannte „Westgebäude“ mit 118 Büroräumen, zwei kleinen Sitzungssälen und einer Bewirtungseinrichtung sowie den durch eine verglaste Brücke mit ihm verbundenen Saalbau mit dem fensterlosen abhörsicheren großen Sitzungssaal für die Strafsenate.
Vermehrte Terroranschläge, insbesondere die Ermordung des Generalbundesanwalts Siegfried Buback und seiner Begleiter am 7. April 1977, waren der Anlass, von 1978 bis 1980 ein mit modernsten Sicherungseinrichtungen ausgestattetes Kontroll- und Wachgebäude mit einer Eingangsschleuse zu schaffen. Bereits zuvor waren das Gelände durch eine überwachte Doppelzaunanlage wehrhaft eingefriedet und die Gebäude durch eine schusssichere Verglasung gesichert worden.
Zur Behebung der weiterhin wachsenden Raumnot, die bereits mehrere Außenstellen erforderlich gemacht hatte, und zur Schaffung angemessener Räumlichkeiten für die bisher behelfsmäßig im ehemaligen Küchengebäude und im Keller des Palais untergebrachte Bibliothek wurde eine bauliche Erweiterung des Bundesgerichtshofs in Angriff genommen. Dafür musste das Anfang der 50er Jahre für die Unterbringung der Bundesanwaltschaft errichtete Nordgebäude abgerissen werden. Man entschied sich für eine räumliche Trennung von Bundesgerichtshof und Bundesanwaltschaft. Seit dem 1. Oktober 1998 hat die Bundesanwaltschaft ihren Sitz in einem neu errichteten Gebäude in der Brauerstraße. Im Jahre 1999 wurde der Auftrag zur Planung und Erstellung eines Neubaus an der Stelle des früheren Nordbaus und auf den für diesen Zweck erworbenen Nachbargrundstücken erteilt. Das von den Braunschweiger Architekten Dohle und Lohse geplante und im Frühjahr 2000 begonnene sogenannte „Nordgebäude“ wurde am 28. Oktober 2003 offiziell eingeweiht. Hier sind unter anderem sechs Zivilsenate sowie auf einer Fläche von ca. 4.700 qm die größte Gerichtsbibliothek Deutschlands untergebracht.
Zum Bundesgerichtshof gehört auch der 5. Strafsenat, der seinen Sitz seit 1952 in Berlin hatte und im Juli 1997 zusammen mit der ihm zugeordneten Dienststelle des Generalbundesanwalts die inzwischen fast 100 Jahre alte „Villa Sack“ in Leipzig bezog.
